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Tanz der Endorphine

Tanz der Endorphine    iStockphoto.com/YanLev

Erstellt am 27. Oktober 2014

Jeannette Hagen

von Jeannette Hagen

Freie Journalistin und Berufscoach
Schwerpunkt: ganzheitliche Medizin, Psychologie und Familie

Tanzen: Der Körper in Schwingungen

Jeder, der schon einmal ungezwungen und ausgelassen getanzt hat, kennt dieses Gefühl. Wer tanzt, erlebt sich stark, frei und glücklich und ist vor allem absolut im Augenblick. Kaum eine andere Bewegungsart fördert und fordert unseren Körper auf so unterschiedlichen Ebenen. MEINE VITALITÄT erklärt, was Tanzen in uns auslöst.

Tanzen setzt enorme Kräfte in uns frei. Jeder, der schon einmal ungezwungen und ausgelassen getanzt hat, kennt dieses Gefühl. Wer tanzt, erlebt sich stark, frei und glücklich und ist vor allem absolut im Augenblick. Der Ursprung dieser Empfindungen liegt in unserem Gehirn. Dort schüttet das Limbische System Endorphine aus, die uns in Hochstimmung versetzen. Gleichzeitig bringen sie uns auf die körperliche, instinktive Ebene. Weg vom Denken – hin zum Fühlen. Es fällt schwer, an Alltagssorgen zu denken und gleichzeitig Arme und Beine rhythmisch im Takt der Musik zu bewegen.

Wie wirkt Tanzen auf den Körper?

Fragt man Teilnehmer von Tanzkursen nach ihren Empfindungen nach einer Tanzstunde, sind sich alle einig: Sie fühlen sich nach dem Tanzen lockerer, beschwingt und von der Alltagslast befreit. Sie sind entspannt, schlafen besser und sind optimistischer.
Dieses subjektive Empfinden der Teilnehmer deckt sich mit aktuellen Forschungsergebnissen. So beschreibt die kolumbianische Psychologin Cynthia Quiroga Murcia in ihrer Doktorarbeit an der Frankfurter Universität, dass bei Männern und Frauen, die regelmäßig Tango tanzen, der Körper deutlich mehr Sexualhormone produziert und gleichzeitig Stresshormone abbaut.

Aber nicht nur der Tango beflügelt die Hormone, generell versetzen uns die synchronen Bewegungen, ausgeführt zum Takt der Musik, in Schwingungen. Es entsteht eine Art Flow und wer tanzt fühlt sich getragen und in das Leben eingebunden.

Da unser Körper bei kaum einer anderen Bewegungs- oder Sportart auf so differenzierte Weise angesprochen wird, setzt man mittlerweile das Tanzen ganz gezielt als medizinische Therapie ein. Und auch in der Rehabilitation ersetzt die Tanzstunde immer häufiger das Training auf dem Fahrradergometer.

Laut einer italienischen Studie fördert regelmäßiges Tanzen die Gesundung nach einem Herzinfarkt sogar besser als das klassische Aufbautraining. So stieg die Sauerstoffaufnahme der Tänzer um 18 Prozent. Bei der Vergleichsgruppe lag der Wert bei 16 Prozent.

Der größte Unterschied zwischen Tänzern und Nich-Tänzern fand sich allerdings auf einer anderen Ebene. Das Tanzen sprach die Patienten deutlich besser an. Traditionelle Aufbauprogramme werden von etwa 70 Prozent der Patienten abgebrochen, die Walzerstunden nur von wenigen, so dass der Leiter der Forschungsgruppe Belardinelli zu dem Schluss kam: „Diese Art von Programm ist wirkungsvoller, weil es mehr Spaß macht.“

An der Ruhr-Universität in Bochum lief bis 2010 eine Studie, die die positiven Auswirkungen des Tanzens auf den Alterungsprozess des Menschen untersucht hat. Teilnehmer waren 60- bis 94-jjährige Senioren, die bisher einen inaktiven und passiven Lebenswandel verfolgten. Das Team des Neural Plasticity Labs unter der Leitung von Professor Hubert Dinse wollte herausfinden, ob die gezielte Reizsetzung durch das Tanzen zu einer Verminderung des degenerativen Alterungsprozesses führen kann. Denn aus anderen Forschungen ist bereits bekannt, dass unser Gehirn bis ins hohe Alter über die großartige Fähigkeit der Reorganisation, also der Neuroplastizität verfügt. Die ist allerdings abhängig von der Art und Weise, wie wir unser Gehirn tagtäglich fordern.

Das Ergebnis der Studie belegt, dass regelmäßiges Tanzen alle entscheidenden Gehirnareale anspricht. Nach dem sechsmonatigen Tanzkurs zeigten sich bei allen Personen signifikante Verbesserungen in den Bereichen: Sensorik, Motorik, Kognition, Reaktionszeit, Stand- und Körperhaltung. Obendrein waren alle Teilnehmer froh, sich bei der Studie beworben zu haben. 64 Prozent fühlten sich vitaler.

Fazit: Das, was wir im Tanz erleben, können wir in den Alltag integrieren. Eine neues Gefühl für die eigenen Grenzen, für den Raum der uns umgibt, eine neue Sinnlichkeit, Echtheit, Authentizität oder Nähe. Spielerisch erweitern wir durch das Tanzen Schritt für Schritt unseren Bewegungsradius – eine Erfahrung, die sich im Alltag und ganz besonders mit zunehmendem Alter bezahlt macht.

Weitere Informationen:

Auf wiki erfahren Sie mehr zum Thema Tanztherapie.

Mehr zum Thema "Tanzen als Selbstfindung" lesen Sie hier.

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