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Wasser bzw. Mineralwasser ist nicht gleich H2O

Wasser bzw. Mineralwasser ist nicht gleich H2O    Thinkstock

Erstellt am 4. Juli 2014

Arno Steguweit

von Arno Steguweit

Wasser-Sommelier
Europas erster Wassersommelier Experte Schwerpunkt Wasser

Wasser mit Wirkung: Mineralwasser und seine Inhaltsstoffe - Teil I

Wasser, und erst recht Mineralwasser, ist nicht einfach nur H2O, also eine Verbindung aus Wasserstoff und Sauerstoff. Dieses Wasser gibt es nur im Chemieunterricht. Tatsächlich ist Mineralwasser ein Tummelplatz für viele interessante Stoffe. MEINE VITALITÄT Experte und Wasser-Sommelier Arno Steguweit stellt den ersten Teil der wichtigsten Inhaltsstoffe vor.

Mineralstoffe

Sie geben dem Mineralwasser seinen Namen. Um optimal zu funktionieren, braucht unser Organismus rund 50 verschiedene Mineralstoffe und Spurenelemente in unterschiedlichen Mengen. Das Fehlen eines dieser Bausteine oder ein Mangel daran beeinträchtigen die Körperfunktionen. Mineralstoffe sind grundsätzlich essentiell, also lebenswichtig.

Calcium

Calcium braucht der Körper zur Bildung der Knochen und Zähne. 99 Prozent des im Körper enthaltenen Calciums sind im Skelett deponiert. Das restliche eine Prozent kräftigt die Herzaktivität und unterstützt die Blutgerinnung. 1000 mg pro Tag sollte ein ausgewachsener Mensch täglich zu sich nehmen und Mineralwasser ist ein guter Lieferant, um bei der Deckung dieses Bedarfs zu helfen. Süddeutsche Mineralwässer sind wegen ihrer Nähe zu Kalkgebirgen meist calciumreicher als norddeutsche.

Entgegen früheren Vermutungen kommt es selbst durch eine sehr hohe Aufnahme an Phosphat nicht zu einer Verschlechterung der Calciumbilanz. Auch die Knochenabbauprozesse werden dadurch nicht verstärkt-was nicht heißen soll, dass typische Phosphatquellen wie Cola-Getränke und Currywurst plötzlich gesund sind.

Chlorid

Chlorid kommt im Körper und in der Nahrung immer zusammen mit Natrium und Kalium vor und steuert mit diesen beiden Stoffen den Flüssigkeitshaushalt des Körpers. Chlorid ist ein wichtiger Bestandteil der Magensäure und für die Verdauung unentbehrlich. Zur Deckung des Tagesbedarfs eines Erwachsenen ist Mineralwasser keine große Hilfe, denn es kommt eher selten darin vor. Lediglich unter den deutschen Heilwässern finden sich richtige Chloridbomben.

Kalium

Im Gegensatz zu Natrium befindet sich Kalium zu 98 Prozent in der Körperzelle. Zusammen mit Natrium reguliert es den Flüssigkeitshaushalt. Die Energiespeicher unserer Muskeln können nur gefüllt werden, wenn eine ausreichende Menge Kalium vorhanden ist. Kalium wirkt entwässernd und sorgt für einen gleichmäßigen Herzschlag. Die täglich notwendige Dosis beträgt mindestens 2000 mg, soweit nicht körperliche Anstrengung und Hitze deutlich mehr erfordern. Das kaliumreichste Mineralwasser ist das ukrainische Poljana Kupel mit sagenhaften 2000 mg pro Liter. Die deutschen Wässer liegen deutlich unter der 100-mg-Marke.

Tipp: Kalium senkt den Blutdruck und wirkt entspannend. Ein Mangel führt zu Muskelschwäche, Herzrhythmusstörungen, Müdigkeit und auch zu Stimmungsschwankungen.

Magnesium

Der tägliche Normalbedarf von circa 300 mg kann durch magnesiumreiche Wässer gut gedeckt werden. Wer viel Sport treibt oder von früh bis spät unter Strom steht, kann allerdings auch erheblich größere Mengen benötigen. Magnesium sorgt für gute Laune, setzt Glückshormone frei und hilft gegen Impotenz und Schlafstörungen. Jeder Sportler weiß: Magnesium macht die Muskeln weich und beugt Muskelkrämpfen vor. Es ist auch wichtig für den Knochenaufbau.
Sind wir einmal unruhig und aufgekratzt und versetzen unser Umfeld in unangenehme, schlechte Laune, dann liegt das eventuell auch an einem versandeten Magnesiumspiegel. Weitere mögliche Mangelerscheinungen sind Migräne, Ohrensausen, ein Hörsturz und sogar Herzrhythmusstörungen.

Natrium

Natrium ist ein Hauptbestandteil von Kochsalz und wird dadurch schon ausreichend mit der Nahrung aufgenommen. Deshalb ist es als Mineralstoff beim Wasser nicht mehr ganz so zwingend. Wer stark schwitzt, braucht aber mehr Salz. Natriumreiche Mineralwässer haben einen leichten Salzgeschmack und haben eine treue, wenn auch kleine Fangemeinde unter den Verbrauchern.

Natrium stabilisiert den Kreislauf und spielt eine wichtige Rolle für die Muskeln, den Blutdruck und die Nerven. Außerdem regelt es den Wasser- und Säure-Basen-Haushalt. Eine Natriumknappheit kann allgemeine körperliche Schwäche, Übelkeit und Muskelkrämpfe bewirken und bis hin zum Kreislaufkollaps führen.

Sulfat

Dieses Salz der Schwefelsäure schmeckt etwas bitter und ist daher im Mineralwasser oft nur in Verbindung mit Kohlensäure genießbar.
Das Wasser mit dem größten Sulfatgehalt weißt schon im Namen auf das Geschmackserlebnis hin: Kissinger Bitterwasser (Heilwasser). Größere Mengen an Sulfat wirken abführend und fördern die Verdauung.

Spurenelemente

Der Mensch überlebt nicht ohne Mineralstoffe und Vitamine. Doch genauso braucht er Spurenelemente, wenn auch nur in minimalen Mengen. Und nicht immer sind diese wirklich essentiell, also lebenswichtig. Was aber ist nun der Unterschied zwischen Mineralstoffen und Spurenelementen? Je nachdem, wie hoch der durchschnittliche Bestand im Körper ist, werden Mineralstoffe in Mengen- und Spurenelemente eingeteilt. Die Grenze liegt bei 50mg/kg Körpergewicht. Mengenelemente liegen darüber, Spurenelemente darunter, eben nur „Spuren“.

Zwei Spurenelemente, nämlich Jod und Fluorid, können den Geschmack des Mineralwassers stark beeinflussen. Es gibt noch eine dritte Gruppe an (toxischen) Spurenelementen, die im Körper zwar vorkommen, deren Genuss jedoch schädlich sein kann. Dazu zählen Blei (Vorkommen in alten Blei-Wasserleitungen), Cadmium, Quecksilber und Arsen.

Eisen

Der Bruder des Sauerstoffs, weil Eisen ein Teil des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin ist und in 35 Milliarden roten Blutkörperchen durch jeden von uns zirkuliert. Eisen garantiert die optimale Sauerstoffdurchflutung des Körpers bis in die hinterste Ecke unseres Gehirns. Folgen von Eisenmangel sind Hautblässe, Antriebsarmut, Verstopfung und Impotenz. Die empfohlene Tagesprise liegt bei 10 bis 15 mg.

Bei Kontakt mit Sauerstoff oxidiert Eisen zu Rost und wird daher den meisten Mineralwässern auf physikalischem Wege entzogen. Den bitteren und säuerlichen Geschmack findet man jedoch noch in vielen Heilwässern. Liebhaber finden den größten Eisengehalt unter den deutschen Heilwässern in der Bad Mergentheimer Albertquelle, dem Vulkania Heilwasser und dem Maxbrunnen Heilwasser.

Weitere Informationen:

Lesen Sie auch die Artikel von Arno Steguweit: Wasser mit Wirkung - Mineralwasser und seine Inhaltsstoffe Teil II und Mineralwasser: Gedanken zum Wassertrend.

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