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Kraftspender: Sprossen liefern viel Energie

Kraftspender: Sprossen liefern viel Energie    fotolia.com/Cogipix

Erstellt am 23. März 2011

Sabrina Bardas

von Sabrina Bardas

Diplom-Oecotrophologin
Schwerpunkt: Ernährung

Keime und Sprossen: Wertvolle Energiespender

Sprossen und Keime sind keine Erfindung der Vollwerternährung, wie man schnell denken könnte. Schon vor rund 5.000 Jahren soll im alten China der Kaiser seinem Volk befohlen haben, Sojabohnen keimen zu lassen. Was an Keimlingen so wertvoll ist, erklärt Ihnen MEINE VITALITÄT.

Auch die Inkas und Azteken übten sich schon früh in der Sprossenzucht. Legenden aus früheren Jahrhunderten erzählen, wie Sprossen Menschen aus der Not retteten: Schiffbrüchige sollen das als Proviant bestimmte Korn, das vermeintlich "verdorben" war, weil es keimte, in ihrer Verzweiflung gegessen haben. Und die Himalaya-Völker wissen seit Jahrhunderten, dass sie die eisigen Wintermonate in 4.000 Meter Höhe gesund überstehen, indem sie Getreide und Samen keimen lassen und verzehren.
Heute gehören frische Keimlinge nicht nur im Fernen Osten zu den Grundnahrungsmitteln, auch bei uns finden sie immer mehr Anhänger. Denn die kleinen Kraftpakete haben es in sich, und sind dank ihrer Inhaltsstoffe ideal, um unseren Organismus gerade nach der langen Winterpause wieder fit zu machen. Aber sie können auch das ganze Jahr über als natürliche Nahrungsergänzung voller Vitamine und Mineralstoffe dienen, die ganz einfach herzustellen und viel günstiger ist, als die Alternativen aus der Apotheke.

Sprossen und Keime: Das Nährstoff-Feuerwerk beim Keimen

Während des Keimvorgangs vom Samen zur Jungpflanze verändert sich der Nährwert im Keimling durch zahlreiche Stoffwechselvorgänge. Dadurch steigt der Gehalt an Ballaststoffen und zahlreichen Vitaminen wie B1, B2, B6, Niacin, Folsäure und E sehr stark an. Bei der Keimung von Getreidekörnern ist im Vergleich mit Vollkornmehl der Vitamingehalt im Keimling bis um das sechsfache, gegenüber Weißmehl sogar bis um das 22-fache erhöht! Zudem wird Vitamin C im Keimling neu gebildet, da es den Keimling schützt und für das Wachstum erforderlich ist.

Während der Keimung werden zu den Vitaminen auch noch die Mineralstoff- und Spurenelementgehalte beträchtlich erhöht oder sogar Mineralstoffe wie Magnesium komplett neu gebildet.
Beim Keimen nimmt außerdem die Ausnutzung und Verwertbarkeit der Mineralstoffe und Vitamine im Darm zu, die Qualität der Eiweiße und Fette verbessert sich ebenfalls, der Energiegehalt sinkt durch den höheren Wasseranteil.
Zur Keimung geeignet sind Getreide (Weizen, Dinkel, Hirse), Hülsenfrüchte (grüne Erbsen, Kichererbsen, Mungobohnen und Linsen), spezielle Keimsaaten (Rettich, Radieschen, Bockshornklee, Brokkoli und Alfalfa) oder Samen (Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne, Sesam). Ganz einfach ist die Herstellung der Keime in so genannten Keimgläsern.

Keime und Sprossen: Gesund und gut verträglich

Kohlenhydrate werden während des Keimens ständig ab- und umgebaut, darunter auch diejenigen, die für Blähungen verantwortlich gemacht werden. Daher sind fast alle Keimlinge im Vergleich zu den trockenen Körnern, Samen und Hülsenfrüchten bekömmlicher. Durch den Keimvorgang sinkt der Phytinsäuregehalt, welcher in Getreidekörnern oder Hülsenfrüchten die Aufnahme einiger lebenswichtiger Mineralstoffe (Eisen, Zink und Kalzium) aus Nahrungsmitteln vermindert.
Während des Keimens nicht oder nur teilweise abgebaut werden einige unverträgliche Eiweißstoffe in den Samen von Soja-, Erbsen-, und Kichererbsen, allesamt Hülsenfrüchte. Sie müssen durch Blanchieren unschädlich gemacht werden, bevor man sie genießen und beispielsweise auch mal einen leckeren Brotaufstrich voller Vitalstoffe daraus zaubern kann.

Keime und Sprossen: Geschmackliches Wunschkonzert

Frische Keime haben ein individuelles Aroma, das je nach Sorte von nussig bis pfeffrig-scharf reichen kann. Sie schmecken lecker in gedünsteten Gerichten wie asiatischen Reisgerichten oder Getreideeintöpfen, sollten aber immer erst kurz vor dem Servieren untergemischt werden, damit ihr Nährstoffgehalt durch das Erhitzen nicht verloren geht. Zartere Sprossen eignen sich auch für Dips und Saucen. Keime, die die gewünschte Größe erreicht haben, isst man am besten sofort. Man kann sie aber auch gut verschlossen ein bis zwei Tage im Kühlschrank lagern, da Kälte ihre weitere Entwicklung bremst. Und auch wenn ihre Kinder etwas kritisch gegenüber allem Grünen sind, wenn sie erst mal selbst ihre kleinen Keimlinge ziehen und ernten durften, möchten sie fast immer auch davon probieren. Los geht’s, lassen Sie es sprießen!

Weitere Informationen:

Infos zu den verschiedenen Sprossensorten und Tipps zum Selbermachen von Keimen und Sprossen:

www.sprossen-selbstgemacht.de

Bei Amazon.de gibt es Bücher rund um das Thema Sprossen.

Eine Rezeptidee, die Sprossen enthält:

Feldsalat mit Birnen-Carpaccio

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