ERNÄHRUNG WARENKUNDE GEMÜSE

Scharfe Wurzel mit starker Wirkung.

Scharfe Wurzel mit starker Wirkung.    fotolia.de / Eldin Muratovic

Erstellt am 1. November 2012

Solveig Erlat

von Solveig Erlat

freie Journalistin
Schwerpunkt: Entspannung

Meerrettich: unterschätztes Wurzelgemüse

Meerrettich gilt als hausbacken, bestenfalls traditionell. Doch das unscheinbare Wurzelgemüse ist besser, als sein Äußeres vermuten lässt: Reich an Vitaminen und Mineralien wirkt es verdauungsfördernd und antibakteriell - und findet neuerdings sogar in der Sterneküche Anklang.

Ob bei Verdauungsbeschwerden, Ohrenschmerzen oder Rheuma: Im Mittelalter galt Meerrettich als Wundermittel gegen unzählige Wehwehchen. Selbst zur Vertreibung böser Geister und zur magischen Geldvermehrung nutzten unsere Vorfahren das auch als Kren bekannte Wurzelgemüse. Mit der Einfuhr exotischer Gewürze verlor der Meerrettich bei den Deutschen jedoch zunehmend an Reiz – zu Unrecht, denn der Meerrettich ist äußerst reich an Nährstoffen. So enthält er unter anderem doppelt soviel Vitamin C als Zitronen. Gerade in den Wintermonaten, wenn Obst nicht mehr frisch ist, ist Meerrettich daher eine gute Alternative zu herkömmlichen Vitamin-C-Quellen. Mit knapp fünf Gramm Ballaststoffen pro 100 Gramm hält er zudem die Verdauung ordentlich auf Trab. In der Küche ist er ebenso vielseitig einsetzbar wie in der Naturheilkunde.

Die Wurzeln des Meerrettichs

Meerrettich stammt ursprünglich aus Süd- und Osteuropa und wird seit dem zwölften Jahrhundert in Deutschland vor allem im Spreewald, in Baden und im fränkischen Raum angebaut. Da er besonders gut an Meeresküsten und Flussufern gedeiht, vermutete nicht nur der deutsche Botaniker Heinrich Marzell sein Name bedeute „Der über das Meer zu uns gekommene“. Andere Etymologen sehen die Wortbedeutung schlicht als Bezeichnung für „Großer Rettich“. Und tatsächlich erreicht der Meerrettich mit einer Wuchshöhe von bis zu 120 Zentimetern stolze Ausmaße. Zudem ist Meerrettich äußerst robust: In freier Natur hält er Temperaturen von bis zu minus 50 Grad stand. Meerrettichprodukte dagegen können bei längerer Lagerung an Schärfe einbüßen, sich verfärben und einen erdigen Geruch annehmen. Um dies zu verhindern, wird die Wurzel nach der Ernte in feuchten Sand gesteckt, am besten in Kisten im kühlen Keller. Eine Alternative ist, die Knolle in ein mit Wasser leicht benetztes Küchentuch eingewickelt im Gemüsefach des Kühlschrankes aufzubewahren. Dann bleibt Meerrettich gut mehrere Wochen frisch. Geputzt, gewaschen und geschält hält sich die Wurzel eingefroren vier bis sechs Monate.

Penicillin aus dem Garten

Schon Hildegard von Bingen berichtete in ihren botanischen Schriften von der Heilwirkung des Meerrettichs. Neben Vitamin C enthält Meerrettich außerdem eine große Menge an den Vitaminen B1, B2 und B6, Kalium und den sogenannten bioaktiven Pflanzeninhaltsstoffen, insbesondere an Glucosinolaten und Sulfiden, die für den charakteristischen scharfen Geruch und Geschmack verantwortlich sind. Seine ätherischen Öle wirken antibakteriell, weshalb Meerrettich ideal zum Einsatz bei Erkältungskrankheiten ist. Daneben wirkt er appetitanregend und fördert die Durchblutung. Ein bewährtes Hausmittel gegen Schnupfen und Nasennebenhöhlenentzündungen sind beispielsweise Meerrettich-Kompressen. Tragen Sie dazu etwa fünf Zentimeter fein geriebenen Meerrettich auf ein Tuch auf. Schlagen Sie die Kompresse anschließend ein und legen Sie sie für zehn Minuten auf die Nasennebenhöhlen. Wenn der Meerrettich zu stark brennt, können Sie das Tuch tiefer legen oder die Auflagezeit verkürzen.

Meerrettich in der Küche

Oft wird das Wurzelgemüse in geriebener Form angeboten und dient dann zum Würzen von Fleisch- oder Fischgerichten und Soßen. Besonders beliebt ist seine Verarbeitung zu Meerrettichsenf, -essig und -frischkäse. Aber auch als Gemüsebeilage, als Panade für Fleisch, als Meerrettich-Quark oder als Raffinesse in Spinat oder Wirsingkohl sorgt Meerrettich für Gaumenfreuden. Dass Meerrettich seinem Langweiler-Image zum Trotz auch in der Sterneküche seinen Platz hat, beweist zum Beispiel Alfons Schuhbeck. Er widmet dem Wurzelgemüse auf seiner Webseite die Kreation „Rote Bete Meerrettichterrine mit rohmariniertem Thunfisch“. Etwas leichter zuzubereiten, aber fast ebenso köstlich ist die „Kalte Kren-Soße“, die besonders zu Fisch- und Eigerichten passt. Hierzu benötigen Sie einen Esslöffel Estragonessig, 150 Milliliter Sahne, drei Esslöffel Mayonnaise, einen Teelöffel Senf und zwei Esslöffel frisch geriebenen Meerrettich. Die Zutaten gut vermischen und ganz nach Geschmack salzen und pfeffern – lecker!

Fazit: Meerrettich ist weit besser als sein Image. Sowohl in der Küche als auch in der Hausapotheke überzeugt das zähe Wurzelgemüse durch eine starke Wirkung.

Weitere Informationen:

Alles rund um Meerrettich bietet das Buch „Gesund mit Meerrettich: Überlieferte Heilrezepte. Äußere und innere Anwendungen. Kochrezepte mit Kren“ (14,95 Euro, Herbig) von Christian Wassely.

Alfons Schuhbecks' Rezept für „Rote Bete Meerrettichterrine mit rohmariniertem Thunfisch“

Auf der offiziellen Seite der Tourismuszentrale der Fränkischen Schweiz finden Sie eine Auswahl fränkischer Meerrettich-Rezepte zum Ausprobieren.

Eine Rezeptidee, die Meerrettich enthält:

Chinakohl-Rösti mit Rote Bete

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