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Blick auf den Petersdom

Blick auf den PetersdomGreen Vital Media GmbH

Erstellt am 1. Juni 2015

Anna-Katrin Keller

von Anna-Katrin Keller

Redakteurin

Rom: Abseits von Piazza Venezia und Fontana di Trevi - 24 Stunden Pigneto

Die rot-karierten Tischdecken fallen wie ein frisch gewaschenes Flanellhemd über die kleinen quadratischen Tische. Eng bestuhlt füllen diese den Raum bis in die letzte Ecke. Fast alle Stühle sind besetzt. In der Luft hängt der Geruch von frischem Oregano, Tomaten und verbranntem Holz. An einem der Tische, mit Blick auf die offene Küche, in der bei jedem fliegenden Teig ein bisschen Mehl durch die Luft gewirbelt wird, sitzt Roberto Benigni, isst seine Pizza Napoletana und trink ein Glas Rotwein dazu.

Wer ein Wochenende in Rom abseits von Touristentrubel und bekannten Sehenswürdigkeiten verbringen möchte, findet in Pigneto eine andere Seite der ewigen Stadt. In dem Dreieck, das sich von Piazzale Labicano zu Via Prenestina, Via Casilina und Via dell'Acqua Bullicante erstreckt, tummeln sich noch waschechte Römer auf der Straße, in Cafés und Restaurants. Das Zentrum des etwas abseits gelegenen Stadtbezirks ist die Via del Pigneto. Am Tag beherrschen Marktstände mit frischem Obst, Gemüse, Käse und Brot aus der Region das Straßenbild. Gegen Nachmittag rattern die Rollläden der vielen Bars, Tische und Stühle werden auf die Straße geräumt und ab 21 Uhr wimmelt es von jungen Menschen in Feierlaune, designierten Künstlern, Aussteigern – und natürlich Hipstern – es ist das römische Kreuzberg, nur ohne spanische Touristen.

Ein Samstag in Rom ohne Kolosseum und Co

Der Samstag in Pigneto startet gemütlich – hier will und muss nichts überstürzt werden. Da Italien nicht für seine ausgiebige und opulente Frühstückskultur bekannt ist, reicht ein kleines, aber feines Frühstück, am besten im Fattori (Via Alberto da Giussano, 76). Diese Gelateria hat neben der unverschämt guten Auswahl an Eis auch noch prima colazione. Es lockt morgens mit cornetto con salmone oder cornetto dulce, mit frisch gepresstem Granatapfelsaft und einem Cappuccino. Und natürlich hat keiner gesagt, dass Gelato nicht auch zum Frühstück schmeckt!

Nach dem Frühstück lohnt sich ein ausgiebiger Spaziergang durch die kleinen Straßen Pignetos auf der Suche nach Graffitis und den bekannten Murales – Wandmalereien, mit historischen oder sozialkritischen Inhalten, zum Beispiel in der Via Guiseppe dalla Vedova / Via Lodovico Pavoni, in der Via Giovanni Brancaleone, Via Ettore Giovenale und der Via Antonio Raimondi.

Wer eine kleine Pause braucht, kann sich in jeder – wirklich jeder – Bar einen schnellen Espresso mit einem Tramizino oder Panino genehmigen. Zum Hinsetzen und Verweilen lädt das Necci dal 1924 (Via Fanfulla Da Lodi, 68) ein. Ciabatta, belegte Bagels und süße Köstlichkeiten zum Espresso gibt es drinnen in der Vitrine.

Wenn es Nacht wird in Pigneto

Gleich vorweg: Eine gute Pizza aus dem Holzofen dauert. Wer die unscheinbare Pizzeria Magari (via Coronelli, 59) erst einmal gefunden hat, muss damit rechnen, einen kleinen Moment auf seine Pizza zu warten – aber das lohnt sich. Die Pizza Napolitana ist im Gegensatz zur Pizza Romana dicker mit einem wulstigen Rand und darf laut EU nur aus Weichweizenmehl, Bierhefe, natürlichem Trinkwasser, geschälten Tomaten, Meersalz (oder Kochsalz) und nativem Olivenöl extra bestehen. Und das schmeckt man mit jedem Bissen, dazu ein kühles Peroni oder ein Vino Rosso und der Abend kann beginnen.
Wer die Nacht zum Tage machen möchte, kann das in der Via del Pigneto. Der Teil, der aus der Fußgängerzone besteht, wird nachts zu einem einzigen Gewusel von Menschen, in den kleinen Bars gibt es nicht nur gute Weine zu bezahlbaren Preisen, auch Snacks und Livemusik machen es nicht schwer, die Zeit zu vergessen. An lauschigen Sommernächten sitzt es sich auch bequem auf den Treppenstufen der Hauseingänge mit einem Bier vom Späti gegenüber.

Fazit: In Pigneto gibt es keine hippen Läden für ausgedehnte Shoppingtouren, es gibt kein Kolosseum, kein Forum Romanum oder irgendeine andere alte Ruine, Kirche oder Sehenswürdigkeit. Was es auch nicht gibt, sind malerische Gassen mit Kopfsteinpflaster und unzähligen Restaurants, an deren Tagesmenükarte FREE WIFI steht. Wer das alles schon kennt und ein anderes Rom kennenlernen möchte, der ist auf den Straßen des ehemaligen Arbeiterviertels richtig und findet auch für mehr als 24 Stunden Spannendes zu entdecken.

Weitere Informationen:

Auch in Europa und ebenfalls sehenswert: Kopenhagen.

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