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Tanzen macht nicht nur Spaß. Es heilt und befreit. Wer tanzt, kann sich ausdrücken, kann zeigen, welche Gefühle in ihm stecken – ohne ein einziges Wort zu sprechen.

Tanzen gehört zu den ursprünglichsten Ausdrucksweisen des Menschen. Die rhythmischen Bewegungen des Körpers zur Musik dienen uns seit jeher – gleich, ob Ritual, Kunst, Therapie oder gesellschaftliches Ereignis als Kraftquelle und Ausdrucksmöglichkeit. Dass wir uns beim Tanzen wohl fühlen, hängt in erster Linie damit zusammen, dass Rhythmus an sich etwas tief Vertrautes ist. Rhythmen bestimmen unser Leben. Unabhängig von unserem Willen schlägt unser Herz einen rhythmischen Takt, atmen wir rhythmisch ein und aus oder bewegen unsere Muskulatur beim Gehen im gleichmäßigen Wechsel von An- und Entspannung. „Jeder Mensch trägt den Tänzer in sich“, sagte Rudolf von Laban, selbst Tänzer und bedeutender Tanztheoretiker. Die US-amerikanische Tanztherapeutin Anna Halprin bringt es anders auf den Punkt: „Im Tanz und der Bewegung kann jeder in Bruchteilen von Sekunden ungeheuer viel über sich erfahren.“ Und auch der britische Choreograph Royston Maldoom, der seit mehr als 30 Jahren im Rahmen der Community Dance Bewegung mit traumatisierten Jugendlichen, Straßenkindern, Senioren, Gefängnisinsassen und geistig behinderten Menschen Choreographien einstudiert, ist überzeugt, dass jeder Mensch tanzen und so an Selbstwertgefühl gewinnen kann.

Tanzen als Weg zum Ich

Die Freude an Musik, Melodien und Tanz ist uns in die Wiege gelegt. Ein Embryo reagiert bereits im Mutterleib mit Bewegungen auf Musik und auch Säuglinge zeigen durch heftiges Strampeln an, dass sie Freude an rhythmischen Klängen haben. Leider wird diesen freudvollen Emotionen in unserer Leistungsgesellschaft nach wie vor viel zu wenig Bedeutung eingeräumt. Mal aus der Reihe zu tanzen, Traumtänzer zu sein oder einen Affentanz aufzuführen und damit seinen Gefühlen Luft zu machen, war und ist eher unerwünscht. Leider wird dabei wir durch die Verkümmerung körperlicher und seelischer Ausdrucksfähigkeit, Bewegungsmangel und Körperentfremdung auch den Kontakt zu uns selbst, zum eigenen Körper und zu seiner inneren Führung verloren. Die wenigsten Erwachsenen haben noch eine Vorstellung davon, wie viel Selbstheilungskraft, kindliche Freude und sprudelnde Lebendigkeit in ihnen stecken. Tanzen kann uns zu diesem Brunnen zurückführen. Durch äußere Bewegung werden innere Bewegungen ausgelöst. Man kann nicht tanzen, ohne sich selbst zu begegnen, den Körper zu spüren und Gefühle wahrzunehmen. „Tanzen ist ganzheitliche Selbsterkenntnis“ sagt Janos Grimm, Tanztrainer in Berlin. In seinen Kursen „Das freie Tanzritual“ darf sein, was ist und bekommt tanzend eine Gestalt. Chaos, Trauer, Wut, Sehnsucht oder Freude – das innere Erleben erhält durch den getanzten Ausdruck den angemessenen Raum. Eine Technik, die in der Tanztherapie seit vielen Jahren angewendet wird und die die uralte und heilende Kraft des Tanzes nutzt.

Fazit: Tanzen löst Emotionen und bringt den Menschen wieder in den Kontakt mit seiner Leidenschaft und Lebendigkeit. Wer regelmäßig tanzt, lernt sich und seine Umgebung neu oder anders kennen. Tanzen verändert unser kinästhetisches Bewusstsein, dass heißt unser Bewegungsempfinden und unsere Tiefensensibilität. Wer sich mit seinem Tanzpartner und obendrein mit mehreren anderen Tanzpaaren im Raum arrangieren muss, ohne sich gegenseitig auf die Füße zu treten, entwickelt und verfeinert automatisch sein Körpergefühl im Raum.

Weitere Informationen:

Für alle, die mehr über das Tanzen wissen möchten ein Buch von Royston Maldooms:

„Community Dance – Jeder kann tanzen“ (Henschel Verlag, 16,90 Euro)

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